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KI und Automatisierung · Serie Use Cases Maschinenbau, Teil 3

Technische Dokumentation mit KI: warum sich der Einstieg im Maschinenbau hier am schnellsten rechnet

Betriebsanleitung, Lastenheft, Normenabgleich, Übersetzung, Wissenssuche: fünf KI-Anwendungen für die technische Dokumentation im Maschinenbau, gerechnet.

Dr.-Ing. Christian Doisl
2. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Die Betriebsanleitung entsteht am Schluss. Die Maschine steht, die Abnahme ist terminiert, und jetzt schreibt ein Konstrukteur unter Zeitdruck, was er in den letzten vier Monaten gebaut hat. Das ist einer der häufigsten Gründe für verspätete Auslieferungen, die wir sehen, und einer der am wenigsten sichtbaren, weil er nie als Ursache im Bericht steht.

In unserer Befragung mit 14 Antworten wurde die Dokumentation mit Abstand am häufigsten als größter Zeitfresser genannt. Gemeint war aber selten die Anleitung. Gemeint waren das Lastenheft und der Vorschriftendschungel, also die Dokumente, die entstehen, bevor die Maschine existiert, und die, die nachweisen, dass sie existieren darf. Das ist Anforderungsarbeit, und die machen in den meisten Betrieben dieselben zwei oder drei Leute, die auch konstruieren sollen.

Wo die Zeit hingeht

Im Referenzbetrieb mit hundert Mitarbeitenden liegen in den fünf Tätigkeiten der technischen Dokumentation 87 Stunden in der Woche, mehr als in jeder anderen Gruppe der Bibliothek. Der größte Einzelposten ist das Suchen, nicht das Schreiben: Antworten stecken in Zeichnungen, alten Projekten und Köpfen, und gesucht wird per Zuruf.

Fünf Anwendungen, gerechnet

Betriebsanleitung aus CAD und Stückliste

Kapitelgerüst und Standardtexte entstehen aus den Konstruktionsdaten, der Techniker ergänzt das Spezifische. Das ist die Anwendung mit dem kürzesten Rückfluss der gesamten Bibliothek, und sie greift genau dort, wo Auslieferungen kippen.

Im Modellbetrieb: 16 Stunden pro Woche, davon 35 Prozent ersetzbar, 21.420 Euro im Jahr. Einführung 3.500 Euro, laufend 300 Euro im Monat, Rückfluss nach 2,4 Monaten. Umsetzung: setzt auf der gemeinsamen Wissensplattform auf, 3 bis 6 Wochen. Werkzeuge: Quanos SCHEMA ST4, Claude, Microsoft 365 Copilot. Datenschutz: unkritisch, interne Daten ohne Personenbezug.

Technisches Wissen durchsuchbar machen

Ein Assistent, der Fragen aus dem gesamten Dokumentenbestand beantwortet, immer mit Quellenangabe. Diese Anwendung bezahlt die Wissensplattform, auf der elf weitere Anwendungen der Bibliothek aufsetzen. Deshalb sind ihre Einführungskosten höher, und deshalb wird jede folgende Anwendung billiger.

Im Modellbetrieb: 45 Stunden pro Woche, davon 30 Prozent ersetzbar, 51.638 Euro im Jahr. Einführung 21.500 Euro, laufend 1.595 Euro im Monat, Rückfluss nach 7,9 Monaten. Umsetzung: setzt auf der gemeinsamen Wissensplattform auf, 3 bis 6 Wochen. Werkzeuge: Azure AI Search, Glean, Onyx, Amazon Q, FORGE Document Intelligence (eigenes Produkt). Datenschutz: unkritisch, interne Daten ohne Personenbezug.

Lastenheft und Pflichtenheft entwerfen

Aus Gesprächsnotizen und Vorgängerprojekten entsteht ein strukturierter Entwurf. Unvollständig aufgeschriebene Anforderungen werden später teuer nachgezogen, das ist der Kern des Befragungsergebnisses. Lizenz, keine Schnittstelle, Rückfluss in gut drei Monaten.

Im Modellbetrieb: 12 Stunden pro Woche, davon 40 Prozent ersetzbar, 18.360 Euro im Jahr. Einführung 4.000 Euro, laufend 225 Euro im Monat, Rückfluss nach 3,1 Monaten. Umsetzung: Lizenz und Einweisung, keine eigene Infrastruktur, 2 bis 4 Wochen. Werkzeuge: Claude, ChatGPT Enterprise, Jama Connect. Datenschutz: unkritisch, interne Daten ohne Personenbezug.

Normen und Richtlinien abgleichen

Ob eine Konstruktion alle Anforderungen aus Maschinenrichtlinie und Normen erfüllt, weiß oft nur einer im Haus. Das Werkzeug gleicht Unterlagen gegen den Normenkatalog ab und listet offene Nachweise. Das Ergebnis ist immer fachlich zu prüfen, die Verantwortung für die Konformität bleibt beim Menschen. Seit dem 12. September 2026 verlangt zusätzlich der EU Data Act für neu in Verkehr gebrachte vernetzte Maschinen, dass der Nutzer an die Maschinendaten kommt, ein Nachweis mehr. Und ab dem 20. Januar 2027 gilt statt der Maschinenrichtlinie die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230.

Im Modellbetrieb: 6 Stunden pro Woche, davon 30 Prozent ersetzbar, 6.885 Euro im Jahr. Einführung 3.500 Euro, laufend 255 Euro im Monat, Rückfluss nach 11,0 Monaten. Umsetzung: setzt auf der gemeinsamen Wissensplattform auf, 3 bis 6 Wochen. Werkzeuge: Claude, Perinorm, Azure AI Search, ComplAInow (eigenes Produkt). Datenschutz: zu prüfen, Auftragsverarbeitung und Löschkonzept vorab klären.

Technische Dokumente übersetzen

Übersetzungen gehen extern, kosten Wochen und kommen mit falscher Fachterminologie zurück. Mit gepflegtem Firmenglossar übersetzt das Werkzeug, extern wird nur noch lektoriert. Die höchste Ersparnisquote der Gruppe.

Im Modellbetrieb: 8 Stunden pro Woche, davon 60 Prozent ersetzbar, 14.040 Euro im Jahr. Einführung 4.000 Euro, laufend 135 Euro im Monat, Rückfluss nach 3,9 Monaten. Umsetzung: Lizenz und Einweisung, keine eigene Infrastruktur, 2 bis 4 Wochen. Werkzeuge: DeepL Pro, Trados, Across. Datenschutz: unkritisch, interne Daten ohne Personenbezug.

Womit anfangen

Lastenheft und Übersetzung zuerst, beide reine Lizenzanwendungen, in unter vier Monaten bezahlt und ohne Schnittstelle. Dann die Wissensplattform über die durchsuchbare Dokumentation, denn sie bezahlt die Infrastruktur, auf der Service, Qualität und Produktion später aufsetzen. Auf ihr sitzt die Betriebsanleitung aus CAD und Stückliste, die Anwendung mit dem kürzesten Rückfluss der ganzen Bibliothek, und sie ist der Grund, die Plattform nicht auf später zu verschieben. Der Normenabgleich kommt zuletzt. Sein Wert liegt in vermiedenen Nachweislücken, und die stehen in keiner Stundenrechnung.

Anwendung Stunden je Woche Ersparnis je Jahr Einführung Rückfluss
Betriebsanleitung aus CAD und Stückliste 16 21.420 Euro 3.500 Euro 2,4 Monate
Lastenheft und Pflichtenheft entwerfen 12 18.360 Euro 4.000 Euro 3,1 Monate
Technische Dokumente übersetzen 8 14.040 Euro 4.000 Euro 3,9 Monate
Technisches Wissen durchsuchbar machen 45 51.638 Euro 21.500 Euro 7,9 Monate
Normen und Richtlinien abgleichen 6 6.885 Euro 3.500 Euro 11,0 Monate

Wie die Zahlen zustande kommen

Alle Zahlen stammen aus dem Rechenmodell der Use-Case-Bibliothek, nicht aus der Befragung. Referenzbetrieb mit 100 Mitarbeitenden, 45 produktive Wochen im Jahr, Vollkosten 65 Euro je Stunde kaufmännisch und 85 Euro technisch, Lizenzen 45 Euro je Nutzer und Monat. Gerechnet wird ausschließlich eingesparte Arbeitszeit gegen die vollen Kosten, die Ersparnisquoten liegen bewusst am unteren Rand dessen, was aus Projekten und Studien bekannt ist. Keine Qualitätsgewinne, keine vermiedenen Fehlerkosten, keine Effekte auf Durchlaufzeit. Ersetzen Sie die Annahmen durch Ihre Werte, dann wird aus der Modellrechnung Ihre Rechnung.

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Die vollständige Rechnung zu allen dreißig Anwendungen steht in der Use-Case-Bibliothek Maschinenbau, die Antworten der Geschäftsführer in der Auswertung der Befragung.

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