Auf dem Dashboard des Projektleiters stand alles auf Grün: der Zeitplan im Plan, das Budget im Rahmen, die Risiken beherrschbar. Es war genau die Art von Statusbericht, die ein Lenkungsausschuss gerne sieht, weil er keine unangenehmen Fragen aufwirft und alle pünktlich in die Mittagspause entlässt.
Drei Wochen später war das Projekt tot. Nicht langsam ausgeblutet, sondern schlagartig: Der Hauptkunde sprang ab, weil die gelieferte Software nicht das tat, was er brauchte, nicht einmal annähernd. Das Team hatte neun Monate lang exakt das gebaut, was in der Spezifikation stand, und diese Spezifikation hatte mit dem, was der Kunde tatsächlich wollte, ungefähr so viel zu tun wie eine Landkarte aus dem 19. Jahrhundert mit dem heutigen Straßennetz.
Lessons Learned, Schuld verschoben
In der Nachbesprechung fielen die üblichen Sätze: veränderte Anforderungen, mangelnde Kundenmitwirkung, unvorhergesehene Komplexität. Was sie alle gemeinsam hatten: Die Schuld lag immer woanders. Niemand sprach das Offensichtliche aus: dass das Projekt neun Monate ohne echtes Rückmeldungssystem gelaufen war und dem Kunden in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal etwas Funktionierendes gezeigt worden war.
Warum die Ampel grün bleibt
Die Ampel stand auf Grün, weil sie nur messen konnte, was sich leicht messen lässt: Stunden, Kosten, Meilensteine. Was sie nicht erfasste, war die einzige Frage, auf die es am Ende ankam: ob das, was da gebaut wurde, überhaupt jemanden interessiert. Projektmanager nennen so etwas Wassermelonen-Projekte: außen grün, innen rot.
- Zeigen Sie früh und oft funktionierende Ergebnisse. Eine Demo beim echten Kunden schlägt jeden Meilensteinbericht.
- Messen Sie Feedback, nicht Aktivität. Wann hat der Kunde das Produkt zuletzt gesehen? Dieses Datum gehört aufs Dashboard.
- Stellen Sie die drei Fragen. Was ist das Ziel? Wer entscheidet? Wie messen wir Fortschritt? Sind die Antworten vage, ist das Grün Dekoration.
Woran würden Sie erkennen, ob Ihr grüner Status echt ist oder nur bequem?
Wie Projekte überhaupt in diesen Zustand geraten, erzählen wir in 5 Gründe, warum F&E-Projekte scheitern (und wie Sie sie beheben).
Wenn Sie Ihre eigene Organisation in dieser Geschichte wiedererkennen, melden Sie sich. Die ersten 90 Minuten Beratung sind kostenlos.